Wer sich über eine Strahlentherapie informiert, stößt schnell auf unterschiedliche Begriffe: perkutane Bestrahlung, Radiochirurgie, Brachytherapie. Sie alle nutzen ionisierende Strahlung, um Tumorzellen zu zerstören, unterscheiden sich aber deutlich darin, wie die Strahlung an ihr Ziel gelangt. Welche Methode infrage kommt, richtet sich vor allem nach Art, Größe und Lage des Tumors sowie nach dem Ziel der Behandlung.
Die Verfahren auf einen Blick
| Merkmal | Perkutane Strahlentherapie | Stereotaktische Radiochirurgie | Brachytherapie |
|---|---|---|---|
| Prinzip | Bestrahlung von außen durch die Haut | hochpräzise Bestrahlung von außen, gebündelt aus vielen Richtungen | Strahlenquelle wird in oder direkt an den Tumor eingebracht |
| Strahlenquelle | Linearbeschleuniger außerhalb des Körpers | spezialisiertes Bestrahlungsgerät außerhalb des Körpers | winzige Quelle im Körper, nah am Tumor |
| Typische Einsatzgebiete | viele solide Tumore, auch größere Zielgebiete und Lymphabflusswege | kleine, klar umschriebene Herde, vor allem im Gehirn | gut von innen erreichbare Tumore wie Prostata oder Gebärmutterhals |
| Sitzungen | meist über mehrere Wochen, an Werktagen | eine bis wenige Sitzungen | ein oder wenige Eingriffe, teils dauerhaft implantiert |
| Ort der Behandlung | überwiegend ambulant | überwiegend ambulant, meist ohne Narkose | kleiner Eingriff, teils kurz stationär |
Die Tabelle zeigt die groben Linien. Entscheidend für den Einzelfall sind die Unterschiede, die dahinterstehen.
Die Verfahren im Detail
Perkutane (äußere) Strahlentherapie
Die perkutane Strahlentherapie ist die häufigste und vielseitigste Form. Ein Linearbeschleuniger erzeugt die Strahlung außerhalb des Körpers und richtet sie aus verschiedenen Richtungen präzise auf das Zielgebiet. Weil sich damit auch größere Bereiche erfassen lassen, eignet sie sich für viele solide Tumore und dafür, benachbarte Lymphabflusswege mitzubehandeln.
Die Gesamtdosis wird in der Regel über mehrere Wochen verteilt, mit kurzen Sitzungen an Werktagen. Diese Fraktionierung schont das gesunde Gewebe, das sich in den Pausen erholen kann. Moderne Techniken wie die intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT) und die bildgeführte Bestrahlung (IGRT) passen die Strahlung genau an die Tumorform an und erhöhen die Zielgenauigkeit. Die Behandlung ist überwiegend ambulant möglich. Häufig wird sie mit einer medikamentösen Therapie kombiniert, etwa als Radiochemotherapie, um die Wirkung zu verstärken. Grundlage ist stets eine sorgfältige Planung anhand von Schnittbildern, auf denen das Zielvolumen und die zu schonenden Organe genau festgelegt werden.
Stereotaktische Radiochirurgie und Radiotherapie
Die stereotaktische Radiochirurgie ist eine besonders präzise Form der äußeren Bestrahlung. Aus vielen Richtungen wird eine hohe Dosis exakt in einem eng umgrenzten Zielpunkt gebündelt, während das umliegende gesunde Gewebe durch den steilen Dosisabfall geschont bleibt. Spezialisierte Systeme wie ZAP-X, Gamma Knife oder CyberKnife arbeiten dabei im Submillimeterbereich.
Trotz des Namens wird nicht geschnitten. Die Präzision ist so hoch, dass die Behandlung einem chirurgischen Eingriff nahekommt, ohne einen zu erfordern. Angewendet wird sie bei kleinen, klar umschriebenen Herden, vor allem im Gehirn, etwa bei gutartigen Hirntumoren, Metastasen oder bestimmten Nerventumoren. Meist genügt eine einzige Sitzung, oder es sind nur wenige nötig. Sie erfolgt in der Regel ambulant und ohne Narkose. Liegen mehrere kleine Herde vor, lassen sie sich oft in derselben Sitzung behandeln. Und wenn eine Operation ein hohes Risiko birgt oder der Tumor ungünstig liegt, ist die Radiochirurgie eine schonende Alternative.

Brachytherapie (innere Strahlentherapie)
Bei der Brachytherapie wird eine winzige Strahlenquelle in den Tumor oder unmittelbar an ihn herangeführt. Die Strahlung wirkt so aus nächster Nähe und fällt zum umliegenden Gewebe hin rasch ab, wodurch dieses geschont wird. Man unterscheidet zwei Grundformen: Bei der einen verbleibt die Quelle nur vorübergehend im Körper und wird nach der Behandlung wieder entfernt, bei der anderen werden kleine Strahlenträger, sogenannte Seeds, dauerhaft eingesetzt.
Voraussetzung ist, dass sich der Tumor von innen gut erreichen lässt. Typische Einsatzgebiete sind Prostatakrebs sowie gynäkologische Tumore wie am Gebärmutterhals, außerdem bestimmte Haut- und Kopf-Hals-Tumore. Es handelt sich um einen vergleichsweise kleinen Eingriff, der je nach Verfahren einen kurzen stationären Aufenthalt erfordern kann. Ihr Vorteil liegt in der hohen örtlichen Dosis bei zugleich sehr begrenzter Reichweite, wodurch das umliegende Gewebe gut geschont wird.
Radionuklidtherapie
Als vierte Form ist die Radionuklidtherapie zu nennen. Hier wird eine schwach radioaktive Substanz verabreicht, die sich gezielt im erkrankten Gewebe anreichert und es von innen bestrahlt. Bekannte Beispiele sind die Radiojodtherapie bei bestimmten Schilddrüsenerkrankungen oder Verfahren gegen fortgeschrittenen Prostatakrebs und bestimmte Knochenmetastasen. Aus Gründen des Strahlenschutzes erfolgt sie häufig stationär. Da die Substanz über den Blutkreislauf verteilt wird, kann sie auch verstreute Herde erreichen, die für eine örtliche Bestrahlung schwer zugänglich wären.
Für wen welches Verfahren geeignet ist
Ein grundsätzlich bestes Verfahren gibt es nicht. Jede Methode hat ihren eigenen Bereich, in dem sie ihre Stärken ausspielt.
Die Zuordnung folgt einigen wiederkehrenden Mustern:
Bei größeren oder ausgedehnten Zielgebieten und wenn Lymphabflusswege einbezogen werden müssen, ist die perkutane Strahlentherapie meist die Methode der Wahl.
Bei kleinen, klar umschriebenen Herden, besonders im Gehirn oder an schwer operablen Stellen, spielt die stereotaktische Radiochirurgie ihre hohe Präzision aus.
Bei Tumoren, die sich von innen gut erreichen lassen, etwa an Prostata oder Gebärmutterhals, ist die Brachytherapie oft besonders schonend.
Bei Erkrankungen, deren Gewebe eine bestimmte Substanz gezielt aufnimmt, wie bei der Schilddrüse oder bestimmten Prostatakarzinomen, kommt die Radionuklidtherapie infrage.
Auch die möglichen Nebenwirkungen unterscheiden sich, hängen aber weniger vom Verfahren selbst als von der behandelten Körperregion und der Dosis ab. Weil Radiochirurgie und Brachytherapie das gesunde Gewebe besonders eng aussparen, fallen unerwünschte Wirkungen dort oft gering aus. Genaue Auskunft dazu gibt das Behandlungsteam vor Beginn.
In vielen Fällen ergänzen sich die Verfahren auch. So lässt sich etwa eine perkutane Bestrahlung mit einem Brachytherapie-Anteil kombinieren, um die Dosis im Tumor gezielt zu erhöhen. Welcher Weg im Einzelfall der richtige ist, wird in einer interdisziplinären Tumorkonferenz festgelegt, in der Fachleute verschiedener Richtungen Befunde, Behandlungsziel und persönliche Situation gemeinsam bewerten. In diese Abwägung fließen auch der allgemeine Gesundheitszustand und die Wünsche der Patientin oder des Patienten ein.
Häufige Fragen
Ist ein Verfahren grundsätzlich besser als die anderen?
Nein. Die Verfahren sind nicht gegeneinander besser oder schlechter, sondern jeweils für unterschiedliche Situationen entwickelt. Ausschlaggebend sind Art, Größe und Lage des Tumors sowie das Ziel der Behandlung.
Können verschiedene Verfahren kombiniert werden?
Ja. Häufig werden Methoden bewusst miteinander verbunden, etwa eine äußere Bestrahlung mit einer Brachytherapie, um die Dosis im Tumor zu steigern und das umliegende Gewebe zu schonen. Auch eine Kombination mit Operation oder medikamentöser Therapie ist üblich.
Wer entscheidet, welches Verfahren zum Einsatz kommt?
Die Entscheidung trifft nicht eine einzelne Person, sondern ein Team aus verschiedenen Fachrichtungen in der Tumorkonferenz. Dort wird für jede Patientin und jeden Patienten ein individuelles Konzept erarbeitet.
Ist die stereotaktische Radiochirurgie eine Operation?
Nein. Es wird nicht geschnitten. Der Begriff beschreibt eine so präzise Bestrahlung, dass ihre Wirkung einem Eingriff nahekommt, ganz ohne Schnitt und in der Regel ohne Narkose.
Wie finde ich heraus, welches Verfahren für mich infrage kommt?
Der erste Schritt ist ein ärztliches Gespräch, in dem Befunde und Behandlungsziel besprochen werden. Auf dieser Grundlage empfiehlt das Team ein geeignetes Verfahren oder eine Kombination. Eine zweite ärztliche Meinung ist dabei jederzeit möglich.



